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Passagem de Nível // Rui Calçada Bastos

Exhibition September 5th - October 24th 2014

At eye level

Under the title ‘Passagem de Nível’ [Level Crossing], Rui Calçada Bastos presents a set of works that have as their main motif an itinerary that is guided by chance, by encounters and by an indiscipline of the gaze, an itinerary that does not fulfill itself at its point of arrival. Over time, his work has developed a multiplicity of approaches intent on questioning the image as the correlate of an event, or as a recording of a particular, identified and named reality. However, this diversity of means and open-field approach bring us again into contact with a kind of absurdity we find in elements from our everyday life that inspire a certain disfunctionality, such as the photograph Untitled that features an interrupted line which we recognise as a road centre line, which has been irregularly painted by accident. Besides that, Calçada Bastos reutilises subjects and contexts from his work as means to explore poetical and sociopolitical transitions that confront us with that infinite itinerary, in the sense that each image conveys the absence and consequent increase in value of a certain object, as if the path to reach the object was the object itself, as the addressee of a poetics that moves towards an expanded field and takes over the mediation once left to visual means. The sculpture Level crossing that was built in the gallery’s space is itself an instance of the artist’s contradictory approach. The marks on the wall indicate that a stairway was once there. These marks, which we may immediately associate with memory, also reveal a moment in time, a duration, as well as a sense of change and transitoriness that is sublimated by that architectural element as it reconnects spaces and various levels of the body’s transit. The opposite side of the sculpture offers to the viewer the projection of a work on video, Another sequence of events. This contradiction between the past and its reconstruction from the fragment and real-time footage is what draws us to use forms of recording and organising memory.
The expanded poetics I have mentioned focuses on the disordered movements of things in the world without, however, searching for an answer or a purpose in them. It is, in Rui Calçada Bastos’ work, an indiscipline focused on finding again itineraries and paths that thus attain a new eye level.

João Silvério

Joao Silvério is a Lisbon based curator currently working as curator for the Art Collection of the Luso-American Development Foundation (www.flad.pt). Created the independent project EMPTY CUBE (www.emptycube.org) in October 2007. Currently Vice – President of AICA (International Association of Art Critics) Portuguese section.

Translation by Jose Gabriel Flores

 

Auf Augenhöhe

Unter dem Titel “Passagem de Nível” präsentiert Rui Calçada Bastos eine Zusammenstellung von Werken, die als Leitmotiv eine Route hat, die sich am Zufall orientiert, am unwillkürlichen Zusammentreffen und an einem Ungehorsam des Blickes. Eine Route, die sich selbst nicht als ihr eigenes Ziel entpuppt.
Im Laufe der Zeit hat seine Arbeit eine Vielzahl von Herangehensweisen entwickelt, die sich zum Ziel gesetzt haben, das Bild als Korrelat eines Ereignisses oder als Dokument einer bestimmten, identifizierbaren und benennbaren Realität zu hinterfragen.
Die Vielfalt der Mittel und der sehr offene Ansatz erlauben es dem Betrachter, sich wieder an eine gewisse Absurdität, die vielen Elementen unseres Alltags eigen ist und die eine gewisse Fehlfunktion suggeriert, anzunähern. Wie auch im Fall der Fotografie Untitled, die eine unterbrochene Linie zeigt, die wir als Fahrbahnmarkierung wiedererkennen können, die aber zufallsbedingt versetzt eingezeichnet wurde.
Darüber hinaus nimmt Calçada Bastos bereits vorhandene Themen und Kontexte seines Werkes wieder auf, um poetische und soziopolitische Übergänge auszuloten, die uns mit dieser endlosen Route konfrontieren. Jede Abbildung offenbart ein Symptom von Abwesenheit und eine Wertschätzung eines bestimmten Objekts. Als wäre der Weg zu diesem Objekt bereits das Objekt selbst; Empfänger einer Poetik, die auf ein erweitertes Feld zugeht und sich über die Vermittlung der bildnerischen Mittel legt.
Auch die, in der Galerie errichtete, Skulptur Level crossing ist ein Beispiel für die widersprüchlichen Herangehensweisen, die der Künstler entwickelt. Die Rückstände an der Wand künden von dem ehemaligen Bestehen einer Treppe. In diesen Rückständen, die sofort eine Assoziation mit Erinnerung
wecken, ist auch immer die Offenbarung eines Zeitpunktes und einer Dauer eingeschrieben. Gleichzeitig vermitteln sie Veränderung und Vergänglichkeit, welche dieses Element der Architektur sublimiert, in dem es Orte und verschiedene Stufen des Transits des Körpers wieder miteinander verbindet.
Auf der Rückseite der Skulptur ist eine Videoprojektion Another sequence of events zu sehen. Dieser so entstandene Widerspruch von Vergangenheit und ihrer Rekonstruktion durch ein Fragment und durch das in Echtzeit projizierte Bild ist es, der uns dazu anhält, Formen der Aufnahme und der Organisation von Erinnerung zu nutzen.
Die erweiterte Poetik, die ich bereits erwähnte, schenkt den ungeordneten Bewegungen der Dinge Aufmerksamkeit, ohne in ihnen eine Antwort oder einen tiefergehenden Sinn zu suchen. In Rui Calçada Bastos‘ Arbeit ist dies eine Form von Ungehorsam, der darauf zielt, Routen und Wege wiederzufinden, die auf diese Art eine neue Augenhöhe erreichen.

João Silvério

Joao Silvério arbeitet derzeit als Kurator der in Lissabon, Portugal ansässigen Kunstsammlung der Luso-American Development Foundation (www.flad.pt). Im Oktober 2007 gründete er zudem das unabhängige Projekt EMPTY CUBE (www.emptycube.org). Außerdem ist Joao Silvério Vizepräsident der Sektion Portugal der AICA (International Association of Art Critics).